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Kirche

Kein neues Leben für die Leonhardskirche

Seit 2004 steht die St. Galler Leonhardskirche leer. Nun will Andrea Weinhold, derzeit Pfarrerin in Gossau, die Kirche zurückkaufen. Ein schwieriges Unterfangen.

Andrea Weinhold hat sich Grosses vorgenommen: Die Pfarrerin möchte die seit Jahren so gut wie ungenutzte St. Leonhardskirche in St. Gallen kaufen und wiederbeleben. Nun musste sie allerdings ­einen Rückschlag einstecken. Vor einigen Tagen teilte der St. Galler Kirchenrat ihr mit, er werde das Projekt eines Rückkaufs nicht unterstützen.

Die denkmalgeschützte Kirche aus dem 19. Jahrhundert war 2004 von der St. Galler Centrums-Gemeinde verkauft worden. Man hatte sich zu diesem Schritt entschlossen, weil die Stadt eine gründliche Renovation der Kirche verlangte – zu teuer für die ohnehin schrumpfende Kirchgemeinde. Der Käufer, ein Winterthurer Architekt, versprach, die Kirche umfassend zu sanieren und als Event- und Kulturzentrum zu nutzen.

Jahrelang ungenutzt
Doch davon ist bis heute nicht viel zu sehen. Zwar wurde die Kirche teilweise saniert, doch bis auf ein Musical und ein Bier­festival blieb sie die ganzen Jahre über ungenutzt. Auch für Besucherinnen sind die Tore verschlossen.

Andrea Weinhold mochte da nicht länger zusehen. Die Pfarrerin, selbst gebürtige St. Gallerin, fasste den Plan, die Kirche der einheimischen Bevölkerung zugänglich zu machen. St. Leonhard sollte wieder ein Ort der Begegnung werden, eine Kirche, die für alle offenstand, eine lebendige Beteiligungskirche. «Ich habe verschiedene Leute gefragt, was sie von der Idee eines Rückkaufs hielten, und überall bekam ich positives Feedback», sagt Weinhold. Doch sie wusste auch: Ohne Unterstützung des Kirchenrats wäre das Projekt kaum zu verwirklichen.

«Anachronistisch»
Nun kam der Kirchenrat aber zum Schluss, das Projekt sei unrealistisch. Man begrüsse die Idee einer Beteiligungs­kirche sehr, empfehle Andrea Weinhold aber, sich nach anderen Räumlichkeiten umzusehen, sagt Kirchenratspräsident Martin Schmidt auf Anfrage von ref.ch. Schmidt vermutet, dass der Kaufpreis sehr hoch ausfalle. Zudem macht er die ­hohen Unterhaltskosten geltend, die eine Kirche mit sich bringt. Mit dem Kauf von Gebäuden sei die Kirche momentan sehr zurückhaltend: «Das ist eigentlich anachronistisch. Der Trend geht eher dahin, Kirchen anders zu nutzen oder sie zu ­verkaufen», meint Schmidt.

Weinhold versichert, dass es ihr nicht um eine finanzielle, sondern einzig um eine ideelle Unterstützung des Kirchenrats gegangen sei, und diese habe sie erhalten. «Es freut mich, dass die Idee einer Beteiligungskirche grundsätzlich Anklang gefunden hat.» Wie es nach der Stellungnahme des Kirchenrats mit dem Projekt weitergeht, ist derzeit unklar. Der Besitzer der St. Leonhardskirche war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Weinhold will das Gespräch mit ihm suchen.

Heimito Nollé / ref.ch / 7. April 2017

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».