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Kirche

Hört hin: Die Glocken schweigen

An Karfreitag schweigen die Glocken katholischer Kirchen weltweit. Die Glocken reformierter Berner Kirchgemeinden bleiben heuer ebenfalls stumm und setzen so ein ökumenisches Zeichen.

Dieses Jahr setzen die zwölf reformierten Kirchgemeinden der Stadt Bern und die reformierte Kirchgemeinde Muri-Gümligen ein ökumenisches Zeichen: Nach dem Einläuten des Karfreitagsgottesdienstes schweigen ihre Glocken bis zum Ostergottesdienst. Mit einer Ausnahme: Am Karfreitag erinnern sie mit einem Geläut von einer oder mehreren Glocken während fünf respektive acht Minuten an die Sterbestunde Jesu Christi.

Respekt für eine alte Tradition
«Dieses ökumenische Zeichen soll unsere Wertschätzung für Karfreitag unterstreichen. An diesem besonderen Tag kommen uns Schmerz und Leid der Welt besonders nahe», sagt Christoph Knoch, Pfarrer in der Kirchgemeinde Muri-Gümligen und Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Kirchen im Kanton Bern.

Gemeindemitglieder hätten ihn schon gefragt, wieso jetzt katholische Sitten übernommen würden. «Das Schweigen der Glocken ist als Zeichen ökumenischer Verbundenheit zu verstehen. Respekt für eine alte katholische Tradition», sagt Knoch. Und spricht von einer «reformierten» Form des besonderen Läutens.

Glocken als liturgisches Element
Der Vorschlag für die Glockenstille zum Gedenken an das Sterben Jesu Christi wurde von Felix Gerber, Sigrist des Berner Münsters, mitgeprägt. Er engagiert sich für eine vielfältigere Gestaltung des Glockengeläutes. Die Kirchenglocken als Teil der gottesdienstlichen Liturgie gelte es wieder zu entdecken. «Das Geläut sollte wie die Predigttexte und die Liedauswahl den kirchlichen Ereignissen entsprechend gestaltet werden», sagt Gerber.

Ist aber ein ökumenisches Zeichen, das gar nicht hörbar ist, überhaupt sinnvoll? «Das funktioniert natürlich nur, wenn dies der Bevölkerung erklärt wird», antwortet Felix Gerber.

Zeichen der Verbundenheit
Dass in diversen reformierten Berner Kirchgemeinden am diesjährigen Karfreitag die Glocken schweigen werden, schätzt Nicolas Betticher, Leiter der Bernischen Pfarrei Bruder Klaus: «Gerade im Reformationsjubiläum ein solches Zeichen zu setzen, zeigt unsere Verbundenheit.»

Der Verzicht auf das Geläut an den beiden Feiertagen ist eine katholische Tradition: Dort schweigen nämlich weltweit die Kirchenglocken nach dem Gloria an Gründonnerstag bis zum Ostersonntag. «Die Stille der Glocken symbolisiert unsere Ehrfurcht vor dem Leiden und dem Tod Jesu Christi», erklärt Nicolas Betticher. «Wir hüllen uns in Schweigen, und die Glockenstille ist ein Zeichen unserer Trauer.» Auch die Orgel schweigt während der Gottesdienste in diesen Tagen.

Nicola Mohler / reformiert.info / 13. April 2017

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».