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Kultur

«Dem Volk aufs Maul geschaut»

Die Kirchgemeinde Waldenburg–St. Peter plant einen Volksschwank zum Baselbieter Reformations-jubiläum. Das Ziel der Organisatoren: Ein «Städtlifest» und mindestens 600 Zuschauer.

Das «Steinerne Haus» ist eines der ältesten Gebäude in Waldenburg. Es bildet die Ecke der Stadtmauer. Tritt man durch das Tor, öffnet sich ein romantischer Hof mit lauschigem Garten. Seit 1573 bewohnen die reformierten Pfarrer den ursprünglichen Adelssitz aus dem 13. Jahrhundert. Es ist die perfekte historische Kulisse für einen Volksschwank zum Baselbieter Reformationsjubiläum.

Das finden auch der heutige Hausherr Pfarrer Hanspeter Schürch und sein Kollege Pfarrer Torsten Amling. Sie möchten den Ort für ein Laientheater nutzen. Eine «freche, süffige Geschichte» schwebt ihnen vor, die das Herzstück eines «Städtlifests» bildet und in den ganzen Kanton ausstrahlt.

Stadtpräsidentin als Schirmherrin
Den Segen ihrer Kirchgemeinde Waldenburg-St. Peter haben die beiden, und auch das Organisationskomitee
(OK) steht. Als Schirmherrin konnten sie Andrea Kaufmann, Waldenburger Stadtpräsidentin und Landrätin, gewinnen. Ein solcher Anlass sei «gute Werbung für das ganze Waldenburgertal», meinte sie beim Pressegespräch. Die Gemeinde könne zwar keine finanzielle Unterstützung bieten, doch sie stelle gerne die notwendige «Manpower» zur Verfügung.

Der Aufruf der Kantonalkirche, zum Reformationsjubiläum etwas beizutragen, brachte die beiden Pfarrer auf die Idee mit dem Volksschwank. «Man muss den Leuten etwas fürs Gemüt geben», meint Hanspeter Schürch. Die Schwierigkeit sei, eine einfache, lustige Geschichte zu schreiben, die nicht flach, aber auch nicht «verkopft» wirke, ergänzt Torsten Amling: «Es steht und fällt mit dem Drehbuch.» Zurzeit trifft man sich mit interessierten Autoren, die für das Stück Historisches mit einer Liebesgeschichte verbinden können.

Luthers derbe Sprüche
Hanspeter Schürch bezeichnet Luther als «Antithese zur heutigen politischen Korrektheit». «Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz» ist nur einer seiner bekannten derben Sprüche. Wie kein anderer habe der deutsche Reformator «dem Volk aufs Maul geschaut», so der Pfarrer. An diese Tradition wolle man anknüpfen.

Der Schwank soll im August und September 2019 an zwei Wochenenden aufgeführt werden. Die Reformation sei eine Volksbewegung gewesen. Darum möchte man nicht nur kirchliche Kreise ansprechen. «Unsere Ziel sind mindestens 600 Zuschauer», sagt Hanspeter Schürch.

Die Proben sollen im Herbst 2018 beginnen. Insgesamt möchte das OK bis zu hundert Leute zum Mitmachen begeistern. Neben den Laienschauspielern denken sie an Vereine, die Statistenrollen übernehmen können. Die Vereine und das lokale Gewerbe sind auch bei der Restauration gefragt.

Das Budget beträgt 30 000 Franken. Die Organisatoren gehen davon aus, dass der Anlass die Ausgaben wieder einspielt. Dass die Finanzen nicht aus dem Ruder laufen, kontrolliert Verena Graf, Kirchenpflegerin von Waldenburg–St. Peter.

Karin Müller, 29. Juni 2017