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Kirche

«Wir sind 38 Millionen Christen in China»

03.01.2022
Bian Rongliang, Pastor in China, war zu Besuch im Kanton Luzern. Der ­37-Jährige erzählt über seine Eindrücke von der Schweiz und die Chancen und Herausforderungen der Kirche in China.

Was war der Grund für Ihren Besuch in der Schweiz?
Die Chinesische Kirche ist Mitglied des ÖRK, dem Ökumenischen Rat der Kirchen, der in Genf beheimatet ist. Der ÖRK wählt jedes Jahr Studenten aus, die ans Bossey Institut studieren kommen dürfen.

Wie lebt es sich als Christ in China?
In China gibt es fünf staatlich anerkannte Religionen, Katholizismus, Protestantismus, Buddhismus, Daoismus und Islam. Damit diese Konfessionen in China anerkannt werden, müssen sie autonom agieren, das heisst, sie müssen finanziell selbstständig sein und keine ausländische Hilfe annehmen. Zudem müssen sie das Evangelium durch einheimische Kräfte verkünden und sie müssen die Kirche in China selbstständig, das heisst ohne ausländischen Einfluss verwalten. In China hat jeder Mensch das Recht, selbst zu entscheiden, welcher Religion er angehören will. Es gibt rund 38 Millionen Christen in China. Die reformierte chinesische Kirche ist eine unabhängige Kirche, ohne konfessionellen Einfluss. Meine Gemeinde zählt rund 1000 Reformierte. Wir haben jeden Sonntag Gottesdienste und bieten von Montag bis Samstag verschiedene Dienstleistungen an wie Jugendtreffen, Bibellesen, Senioren- oder Gebetstreffen.

Wie sind Sie Christ geworden?
In meiner Familie bin ich Christ in der vierten Generation. Mein Vater war Pastor in der Kirche. Von ihm erbte ich meinen Glauben ebenso wie die Mission, Gott zu dienen.

Was sind die Herausforderungen der Chinesischen Kirche?
Die Kirche steht heute unter grossem Druck und Herausforderungen. Der Grossteil der Kirche besteht aus älteren Menschen, junge Menschen gibt es immer weniger. Daher müssen wir darüber nachdenken, wie wir diese Situation ändern können. Nicht zuletzt deshalb sollten die Kirchen ihren Kontakt und ihre Kommunikation untereinander stärken, die Herausforderungen gemeinsam teilen und wirksame Wege zur Lösung der Schwierigkeiten finden.

Wo sehen Sie die Zukunft der Kirche?
Zwischen Glaube und Kultur besteht eine enge Beziehung. Der Glaube muss in einer Kultur integriert sein. Wenn dies nicht der Fall ist, wird der Glaube an Schwung verlieren und für die Menschen sogar inakzeptabel sein. Oder anders gesagt. Die gesellschaftliche Entwicklung verändert die Denkmuster der Menschen. Es wird wichtig sein, wie die Kirche im Prozess des gesellschaftlichen Wandels an ihren Werten festhalten und positiv auf die Menschen einwirken kann.

Was ist Ihr Eindruck von der Schweiz?
Die Schweiz ist ein sehr internationales Land mit einer schönen Landschaft, einer guten öffentlichen Infrastruktur und professionellen Dienstleistungen. Die Schweizer selbst sind freundlich, hilfsbereit und offen.

Interview: Carmen Schirm