Arnold Bittlinger gestorben
Bittlinger wurde am 13. Juni 1928 in Edenkoben/Pfalz geboren. Er war der Sohn des Landesjugendpfarrers Georg Bittlinger und dessen Ehefrau Wilhelmine. Ein prägendes Erlebnis seiner Kindheit war der tödliche Unfall seines zehnjährigen Bruders Karl, den der damals achtjährige Arnold miterlebte. Er besuchte die Volks- und Oberschule in Edenkoben sowie das Humanistische Gymnasium in Neustadt an der Weinstrasse.
In den 1960er Jahren gründete Bittlinger die Charismatische Erneuerung in Deutschland mit, eine Bewegung innerhalb der evangelischen Kirche, die sich für eine Erneuerung des geistlichen Lebens einsetzt. Für den Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf besuchte er neue charismatische Bewegungen auf anderen Kontinenten und schätzte die Neubelebung der Kirche durch die Beteiligung von Laien.
Als Autor veröffentlichte Bittlinger zahlreiche Werke, darunter «Sterben, Tod und Trauer im Märchen», in dem er die Darstellung von Tod und Trauer in Märchen analysierte und Parallelen zu psychologischen Prozessen aufzeigte. Er beschäftigte sich intensiv mit Märchen und fand darin wichtige Lebensweisheiten, ähnlich wie in der christlichen Kunst. In einem seiner Werke untersuchte er das christliche Gebet des «Unser Vater» tiefenpsychologisch.
Bittlingers Offenheit für verschiedene Zugänge zum Leben und Glauben war ihm wohl in die Wiege gelegt. Sein Grossvater väterlicherseits war katholisch, sein Vater evangelischer Pfarrer im Elsass. Seine Mutter stammte aus einem renommierten pfälzischen Weingut an der Nahe und war evangelisch. Nach dem Krieg entschied sich Bittlinger aufgrund der Überfüllung der Medizinstudiengänge für ein Theologiestudium. Sein medizinisches Interesse führte ihn später zu einem weiteren Studium am C.G. Jung Institut in Zürich.
Bittlinger verglich Jesus in einem Interview mit dem Kirchenboten mit einem Psychoanalytiker. Er erklärte, dass Menschen in der Gegenwart Jesu sich selbst begegnen, insbesondere ihren dunklen Seiten. So bricht Petrus, als er Jesus begegnet, in den Schrei aus: «Geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch» (Lukas 5,8). Für Bittlinger war es wesentlich, dass ein Psychotherapeut nicht wertet, sondern alles Vergangene und Gegenwärtige als Teil des betreffenden Menschen erkennt und dadurch einen Neuanfang ermöglicht. So sagt Jesus zu einer Ehebrecherin: «Ich verurteile dich nicht. Gehe deinen Weg und verfehle dein Lebensziel nicht» (Johannes 8,11).
Nach Pfarrstellen in Deutschland erhielt Bittlinger eine Stelle beim Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf, die er mit dem Landpfarramt in Oberhallau kombinierte. Er erklärte, dass diese Kombination ausserordentlich wertvoll war, da das Gemeindepfarramt eine wichtige Ergänzung zur weltweiten Tätigkeit darstellte. In Oberhallau, wo er von 1978 bis zu seiner Pensionierung 1993 als Pfarrer tätig war, interessierte er sich auch für den Weinbau, was sich in seinem Buch «Wein und Weinbau in der Bibel» widerspiegelt. Nach dem Ende seines Auftrags in Genf arbeitete er teilzeitlich als Seelsorger und Psychotherapeut am Psychiatriezentrum Breitenau in Schaffhausen.
Arnold Bittlinger hinterlässt ein bedeutendes Erbe in Theologie und Psychologie, das weiterhin Einfluss auf diese Bereiche haben wird.
Arnold Bittlinger gestorben