«Der Glaube war ständig Teil meines Lebens»
«Eigentlich wollte ich mein Amt nun abgeben – fast 25 Jahre sind genug», sagt Ernst Reber. Trotzdem stellt sich der 67-jährige Landwirt, der in Schüpfheim geboren und aufgewachsen ist, nochmals zur Wahl für den Kirchenvorstand seiner Kirchgemeinde Escholzmatt. Dies, weil bislang kein Nachfolger oder keine Nachfolgerin für ihn gefunden werden konnte. «Sobald wir jemanden haben, werde ich während der Amtsperiode zurücktreten», sagt er bestimmt, er hofft, dass dies eher früher als später eintritt.
Sein Weg in den Kirchenvorstand begann aus schlichtem Interesse an der Gemeinde. «Meine Kinder kamen damals in den Religionsunterricht, und ich wollte wissen, was in der Kirchgemeinde läuft. Ich wurde angefragt und habe mich engagiert.» Nach ein paar Jahren im Vorstand übernahm er 2005 die Verantwortung für die Finanzen – ein Bereich, der ihm als Zahlenmensch immer Freude bereitete. «Ich habe immer gern mit Zahlen gearbeitet, auch in anderen Vereinen. Aber die Anforderungen sind in den letzten Jahren gestiegen, ich habe mich stets bemüht, diesen gerecht zu werden.
Der Glaube war ständig Teil meines Lebens. In schwierigen Zeiten hat er mir Kraft gegeben und Wege aufgezeigt.» Diese Überzeugung hat er auch seinen drei Kindern mitgegeben. Heute ist er stolzer Grossvater von vier Enkeln und lebt auf dem Hof, den er viele Jahre zusammen mit seiner Frau Helen geführt hat. Der Betrieb ist bereits in vierter Generation in den Händen seines Sohnes. «Es ist schön zu sehen, dass unser Hof weitergeführt wird. Ich kann noch mitarbeiten, und das erfüllt mich.»
Prägende Momente
In den fast 25 Jahren im Kirchenvorstand gab es viele besondere Erlebnisse. «Früher hat mein Vorgänger den Pfarrpersonen das Gehalt noch bar in die Hand ausbezahlt – das kann man sich heute kaum mehr vorstellen», sagt er und lacht.
Besondere Höhepunkte für ihn waren verschiedene Jubiläumsfeiern: das 25-jährige Bestehen des Kirchgemeindehauses in Schüpfheim, das 75-Jahr-Jubiläum der Kirche Escholzmatt und die 100-Jahr-Feier der Kirche Schüpfheim, bei der fünf neue Glasfenster mit kunstvollen Malereien von Christoph Stoos aus Luzern eingebaut wurden. Die Malereien zeigen das ganze Kirchenjahr, von Weihnachten über Ostern bis zu Pfingsten.
Ein einschneidendes Erlebnis war der Abriss der Kirche Wiggen 2019. «Bauzustand und Fundament waren so schlecht, dass eine Sanierung nicht mehr möglich war. Der letzte Gottesdienst, der dort stattfand, war sehr bewegend», erinnert sich Ernst Reber. Solche Momente zeigen ihm, wie eng Kirche und Gemeinschaft verbunden sind. «Wir hatten in 25 Jahren nur drei Pfarrpersonen – das spricht für den guten Zusammenhalt unserer Gemeinde.»
Die Kirche im Wandel
Die grösste Herausforderung für die reformierte Kirche sieht Reber in den steigenden Kirchenaustritten. «In der Stadt ist die Situation noch viel drastischer, aber auch wir merken es. Hinzu kommt, dass es immer schwieriger wird, Menschen für Ämter in der Kirche zu gewinnen.» Früher habe man solche Aufgaben selbstverständlich neben der Arbeit übernommen, heute sei das oft nicht mehr machbar.
Für die Zukunft wünscht er sich, dass der gute Zusammenhalt in der Kirchgemeinde und im Vorstand bleibt und die Vorgaben der Kantonalkirche nicht noch komplexer werden. «Wir müssen vielfältig bleiben und uns weiter öffnen, um für die Menschen relevant zu bleiben und auch Kirchenferne anzusprechen», ist er sich bewusst.
Ein Glaube, der trägt
Sein persönlicher Glaube hat sich über die Jahre hinweg nicht verändert. Besonders sein Konfirmationsspruch begleitet ihn durchs Leben: «Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.» Als Landwirt erlebt er jeden Tag diese Zuversicht. «Es gibt immer Lösungen, auch wenn Probleme auftauchen. Das Vertrauen darauf hilft mir.»
Wichtige Prinzipien in seiner Arbeit sind für ihn Zusammenarbeit und gegenseitiger Respekt. «Ein gutes Miteinander mit dem Pfarrer und den Mitarbeitenden ist entscheidend. Ohne ein starkes Team geht es nicht.» Ein Anliegen ist es ihm, dass die Menschen erkennen, dass Kirche mehr ist als eine Institution für Hochzeiten oder Beerdigungen. «Sie ist auch im Alltag da. Wer sich darauf einlässt, kann viel für sich mitnehmen.»
Rückblickend beschreibt er seine 25 Jahre im Kirchenvorstand als «lehrreich und voller schöner Begegnungen». Eine Entwicklung bedauert er jedoch: «Früher hatten wir regelmässige Austausche mit Präsidenten und Kassiers anderer Kirchgemeinden, das ist heute weniger geworden. Der persönliche Kontakt hat abgenommen.» Trotzdem bleibt am Ende vor allem Stolz: «Unsere Kirchgemeinde steht auf einem gesunden Fundament – inhaltlich und finanziell. Jetzt hoffe ich, dass ich mein Amt bald in frische Hände übergeben kann.»
«Der Glaube war ständig Teil meines Lebens»