Baselland, Basel-Stadt, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Uri, Zug

Migrationsamt kontrolliert Kirche

2 min
17.03.2016
Das Migrationsamt hat am 3. MĂ€rz in der MatthĂ€uskirche eine Personenkontrolle durchgefĂŒhrt und acht Asylbewerber verhaftet sowie drei Schweizer kontrolliert. Ihnen droht ein Verfahren, den Asylbewerbern die Ausschaffung.

Donnerstag, 3. MĂ€rz, 9.30 Uhr, MatthĂ€uskirche Basel: FĂŒnf Kastenwagen der Kantonspolizei fahren vor. Die Beamten umstellen die Kirche, Leute des Migrationsamts betreten die KirchenrĂ€ume fĂŒr eine Personenkontrolle. Dazu der Leiter des Migrationsamts, Michel Girard: «Aufgrund von Anhaltspunkten, dass sich in der MatthĂ€uskirche AuslĂ€nder ohne geregelten Aufenthaltsstatus befinden, haben wir eine Personenkontrolle durchgefĂŒhrt.» Nach der Kontrolle herrscht bei den ZurĂŒckgebliebenen Wut, Verzweiflung und EnttĂ€uschung. Vermutungen an der Pressekonferenz, der Grund der schnellen Aktion könnten die Medienmitteilung der Aktivisten oder die Stellungnahme des Kirchenrats im «Regionaljournal» gewesen sein, treffen laut Michel Girard nicht zu: «Eine Kontrolle braucht eine seriöse Vorbereitung, das geht nicht von heute auf morgen. Wir haben das Datum schon frĂŒhzeitig festgelegt.» Ein Grund war, laut Girard, dass die Aktivisten der Aufforderung nicht nachgekommen seien, dem Migrationsamt eine Liste der anwesenden Personen einzureichen. Insgesamt seien bei der Kontrolle acht Personen festgenommen worden, sagt Girard. Sechs von ihnen hatten rechtskrĂ€ftige Asyl-Entscheide im Rahmen des sogenannten «Dublin- Out-Verfahrens» und seien zur Ausreise verpflichtet. Die anderen beiden hĂ€tten keine gĂŒltigen Ausweispapiere gehabt. In der Kirche seien auch drei Schweizer angetroffen und kontrolliert worden, ihnen droht nun eine Anzeige wegen Diensterschwernis. Bisher habe es in Basel nur einmal eine Kontrolle in einer von der Kirche angemieteten Liegenschaft gegeben, erklĂ€rt Girard. Somit ist die MatthĂ€uskirche der erste Sakralbau, der vom Migrationsamt einen Besuch erhalten hat.

Kirche ist nicht untÀtig

KirchenratsprĂ€sident Lukas Kundert verweist darauf, dass die Evangelisch-reformierte Kirche im Bereich des FlĂŒchtlings- und Asylwesens in allen wichtigen Gremien vertreten sei und sich auch finanziell stark engagiere. Zudem hĂ€lt er fest, dass die Reformation zur Verstaatlichung der Kirche gefĂŒhrt habe. Dieses Modell wurde vom modernen Bundesstaat ĂŒbernommen. Dies sei der Grund, weshalb es heute kein Kirchenasyl mehr gebe und der Staat jederzeit Zugangsrecht zu allen RĂ€umen besitze. Noch bleiben die Aktivisten in der Kirche: «Wir werden die nĂ€chsten Tage wohl noch da bleiben, um zu schauen, wie wir weitermachen. Ohne Schutzbedarf macht ein langfristiger Verbleib nicht viel Sinn», schreibt «Wir bleiben».

Franz Osswald, 9. MĂ€rz 2016

Unsere Empfehlungen

Hinrichtungstermin am 7. MĂ€rz

Andreas Hausammann, Beauftragter fĂŒr populĂ€re Musik bei der St.Galler Kantonalkirche, besucht und betreut seit Jahren einen zum Tode verurteilten HĂ€ftling in Texas. Am 4. MĂ€rz reist er erneut hin, denn am 7. MĂ€rz soll sein Freund Rolando Ruiz durch die Giftspritze sterben.